Erklärung des Begriffswirrwarrs


DIS, MPS, Ego-State, Dissoziation, DDNOS, DSNNS,
was ist das alles, wie hängt es zusammen, wie unterscheidet es sich? Ein riesiger Wust Begriffe - ich möchte hier versuchen, sie zu erklären und zu sortieren. Dabei halte ich mich größtenteils an die Einteilung nach dem ICD-10, der Internationalen Klassifizierung der Krankheiten. Kursiv habe ich dazu jeweils unseren eigenen Senf dazu gegeben.

  • MPS/DIS beide Begriffe bezeichnen das Gleiche. MPS bedeutet Multiple Persönlichkeitsstörung, das ist die bis 1996 benutzte, frühere Bezeichnung der Dissoziativen Identitätsstörung, einer Störung, bei der der Betroffene in seinem Körper andere Personen wahrnimmt, die abwechselnd (und zunächst von ihm nicht beeinflußbar) die Kontrolle über das Außenleben übernehmen.

  • Ego-State, DDNOS, DSNNS bezeichnen auch jeweils das Gleiche. DDNOS heißt Dissociative Disorder not otherwise Specified, die deutsche Übersetzung davon ist DSNNS, Dissziative Störung nicht näher spezifiziert. Diese Begriffe und Ego-State bezeichnen eine Dissoziative Störung, bei der die Aufspaltung nicht so weit geht, daß die Anteile als einzelne Persönlichkeiten vom Betroffenen wahrgenommen werden, sondern in denen das Ich jeweils in verschiedenen Zuständen erlebt wird. In jedem dieser Zustände handelt und entscheidet der/die Betroffene anders als sonst, voneinander unterschiedlich. Er kann auch hinterher die Entscheidungen nicht nachvollziehen, weil die Gefühle und Ansichten der verschiedenen Zustände sich völlig voneinander unterscheiden.

  • Dissoziation bezeichnet das Abspalten von Gefühlen als nicht zum Körper, nicht zu einem selbst gehörig. Teile des Erlebten werden von anderen psychischen Inhalten getrennt, wenn es ein Übermaß an Angst, Schmerz und/oder Trauer verursacht. Übermaß heißt hier ein schier unerträgliches Erleben mit dem Gefühl des sich Auflösens, (...) inneren oder äußeren Sterbens. *
    Ida hat dann immer das Gefühl, daß die Umwelt sich von ihr entfernt, die Geräusche dringen nur noch wie durch Nebel zu ihr durch, manchmal spürt sie keine Schmerzen mehr ... bis sie irgendwann mit einem Ruck wieder "aufwacht" - dieser Zustand also vorbei ist.


  • Außerdem gibt es verschiedene dissoziative Phänomene, die sowohl einzeln, als auch miteinander kombiniert auftreten können:

  • Dissoziative Amnesie Verlust der Erinnerung für (meist wichtige) persönliche Ereignisse, die nicht durch eine organische Störung bedingt ist und weit über normale Vergeßlichkeit oder Ermüdungserscheinungen hinausgeht. Ein relativ weit bekanntes Beispiel für dissoziative Amnesie ist die Unfähigkeit, sich z.b. an einen erlebten Unfall zu erinnern. Sie kann bei jeder Art von Traumatisierung auftreten.
    Niemand von unseren Außenleuten erinnert sich an unsere Hochzeit. Wir sehen die Fotos, erkennen die Personen darauf - aber das ist, als ob es Fremde wären, wir haben keinen Bezug dazu, das betrifft uns nicht. Wir wissen nicht aus eigener Erinnerung (nur von Erzählungen), was damals geschah. Wir wissen nicht, wie wir uns fühlten, was wir dachten...

  • Dissoziative Fugue zielgerichtete Ortsveränderung, die über die normale Alltagsmobilität hinausgeht. Der Betroffene fährt z.b. irgendwohin, kann aber später nicht sagen, was er dort gewollt habe. Auf fremde Beobachter kann der Betroffene einen völlig normalen Eindruck machen. Dieser Zustand ist mit einer Dissoziativen Amnesie verbunden. Der Betroffene "wacht auf" und ist überhaupt nicht orientiert darüber, wo er sich befindet, wie er dorthin gekommen ist oder was er dort gewollt hat.
    Siehe unsere Schilderung von unserem "Ausflug" nach Chemnitz auf der Seite "was bedeutet es, multipel zu sein".

  • Dissoziativer Stupor (Verringerung oder völliges Fehlen von willkürlichen Bewegungen und normalen Reaktionen auf äußere Reize) wie Licht, Geräusche oder Berührung.

  • Trance- und Besessenheitszustände

  • Dissoziative Bewegungsstörungen
    Es ist z.b., als ob man nicht mehr laufen kann, die Füße gehorchen einem nicht mehr. Man sieht die Bordsteinkante, hebt den Fuß - aber fliegt trotzdem hin, weil der Fuß nicht macht, was man von ihm wollte.

  • Dissoziative Krampfanfälle

  • Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
    Man stößt sich z.b. das Schienbein, findet hinterher sogar eine Platzwunde, spürt aber keinen Schmerz.

  • Dissoziative Schwerhörigkeit oder Taubheit
    Man kann plötzlich nur noch schwer (oder gar nicht mehr) hören. Kein Arzt findet eine Hörstörung, das ist auch nicht immer, aber manchmal eben ganz schlimm.

  • Ganser-Syndrom eine komplexe Störung, die durch «Vorbeiantworten» gekennzeichnet ist (z.b. 3+1=5, Gras ist rot).

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    * aus: "Leben in Verschiedenen Wirklichkeiten - Dissoziation und Multiple Persönlichkeit" Dr. med Marion Seidel




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