Wir Leuchtkaefer

sind ein zahlreiches Völkchen. Soweit wir das heute überblicken können, sind wir um die 200 Leute. Wir lernen jedenfalls ständig neue Mitglieder unseres Schwarms kennen. Anteile, die schon immer - von uns Alltagsleuten unbemerkt - ihre Aufgaben erfüllt haben.
Aber ihr braucht nicht zu erschrecken. Im Normalfall habt ihr es nur mit wenigen von uns zu tun. Und das meistens auch auf eine Art, daß es euch nicht auffallen wird, daß da mehrere von uns beteiligt sind. Wem fällt es schon auf, daß z.b. Ida gerade denkt und redet - aber nicht schreibt? Für "Schreibarbeiten" gibt es bei uns Spezialisten, die entweder mit Stift und Papier umgehen, oder mit der Tastatur. Wem fällt auf, daß sich am Telefon zunächst jemand anderes von uns meldet als derjenige, der dann entspannt mit euch schwatzt? Um das zu bemerken, müßt ihr schon sehr genau hinhören.
Es gab Zeiten, da ging es bei uns so ähnlich zu, wie Martina das in "Ein ganz normaler Tag" beschrieben hat. Das ist zum Glück Geschichte für uns. Wir können inzwischen recht gut miteinander umgehen, so daß Ida (unsere Gastgeberin) kaum noch Zeitlücken hat. Das hat eine harte Zeit bedeutet, in der wir alle lernen mußten, daß es außer uns jeweils selbst noch mehr hier gibt. Nur ganz wenige von uns kannten auch andere, hatten also eine Ahnung davon, was hier so los ist. Aber Ida gehörte ganz bestimmt nicht dazu. Ihr größter Schutz bestand darin, daß sie von allem nichts wußte.
Inzwischen treten solche Zustände nur noch auf, wenn wir komplett überfordert sind. Dann kommt bei uns jemand nach vorne, von dem wir noch nicht viel wissen, außer daß sie die

Stressmanagerin

ist. Da wir bis jetzt noch keinen Kontakt zu ihr haben, bekommen wir auch noch nicht mit, was dann passiert. In solchen Situationen haben wir dann also doch noch Zeitlücken. Aber seitdem wir Rente bekommen, haben wir die Möglichkeit, unser Leben so zu organisieren, daß solche Situationen kaum noch vorkommen. Wir wissen ziemlch genau, was wir aushalten können und wo der Punkt ist, wo wir es allein nicht mehr schaffen. Dann ziehen wir vorher die Notbremse, was so aussieht, daß wir einige Tage völlig von der Bildfläche verschwinden und zu nichts und niemand Kontakt haben. Das gibt uns die Zeit und Ruhe, die wir brauchen,um uns wieder zu erholen. Und falls es doch einmal passiert (es gibt ja leider immer noch Menschen in unserem Leben, die versuchen, es uns so schwer wie möglich machen, indem sie uns z.b. bei jeder Kleinigkeit verklagen), haben wir inzwischen das Vertrauen, daß die Stressmanagerin und die, die ihr helfen, das gut und richtig für uns regelt

Wie in jedem System gibt es bei uns Kleine und Große. Unser Kleinstes ist ein Baby, das noch nicht einmal sein Köpfchen allein heben kann. Für dieses Baby haben wir aber einen guten Sicheren Ort gefunden, so daß es nicht mehr nach außen kommt. (Und wer die Definition der ISSD gelesen hat - zu finden unter "Was ist DIS?" - weiß damit auch, in welchem Alter für uns das Grauen Alltag wurde.)
Bitte habt Verständnis dafür, daß unsere Vorstellung nicht vollständig ist. Viele bei uns haben Angst, gerade die, die die ganzen schrecklichen Dinge aushalten mußten, als sie klein waren. Deshalb sind sie klein geblieben. Ob wir es jemals schaffen, ihnen einen Ausweg zu zeigen und ihnen zu helfen, da raus zu kommen, wissen wir noch nicht. .

Wundert euch nicht, wenn es scheint, als ob jemand anderes über Ida spricht - genau so ist es. Solche Dinge, wie den Überblick behalten, Wissen verwalten und vermehren, fallen in meinen Bereich. Ich bin

Marga, werde hier allgemein die Wissende

genannt. Deshalb bin ich bei diesem Überblick hier federführend. Und die

Handwerkerin

arbeitet selbstverständlich mit, weil solche Sachen wie eine Webseite zu programmieren in ihren Bereich fällt. Jetzt merkt Ida gerade an, daß das Ganze einen Preis hat, den ich zahlen müßte, daß ich wie ein wandelndes Lexikon bin. Sie empfindet es als Mangel, daß ich mich mit solchen Dingen wie Gefühlen nicht belasten muß. Ich finde das in Ordnung so. Wenn ich mir ansehen muß, wie sie mal verzweifelt daliegt und heult ohne Ende oder sich vor lauter Freude nicht mehr einkriegt - dann kann ich nur sagen: ne, das ist nichts für mich.

Eines ist zum Verständnis noch wichtig: Zur Unterscheidung für euch rede ich hier von Außen- und Innenleuten. Die Außenleute sind die Personen die ihr alle kennt, wo jeder Mensch durch seinen, nur ihm gehörenden Körper repräsentiert wird. Für uns Innenleute ist das anders: wir müssen uns diesen einen Körper hier teilen. Aber auch das klappt mittlerweile ganz gut, da wir es inzwischen drauf haben, viele Dinge gemeinsam zu tun. Da kommt keiner zu kurz.
Ihr merkt Wechsel unter uns vor allem an veränderter Stimmlage, Gestik, Mimik und so. Aber es ist auch anders nachweisbar: Von vier verschiedenen Innenleuten von uns existieren Hirnstromaufzeichnungen (EEG´s). Nun denkt ihr vielleicht "ja und, von mir wurde auch schon viermal ein EEG gemacht". Aber wurden von euch auch vier VERSCHIEDENE, voneinander signifikant ABWEICHENDE EEG´s gemacht?



Ida

Ida ist unsere sogenannte Gastgeberin (engl. Host), also die Person, die für den ganzen Alltagskram im Zusammenhang mit der Außenwelt zuständig ist. Allerdings werdet ihr feststellen, daß Alltagskram für uns eine ganz andere Bedeutung hat, weil Sachen, die für euch absolut alltäglich sind, bei uns eigene Spezialisten haben.



Anna, die Amtliche

Anna ist die, die am besten mit allen möglichen Ämtern, offiziellen Stellen und solchen Dingen umgehen kann. Sie leitet aus dem Stegreif Versammlungen von beliebig vielen (Außen-) Leuten, verhandelt um alles mögliche, setzt sich erfolgreich bei sämtlichen Sozial-, Versorgungs-, Finanz- und sonstigen Ämtern durch, feilscht mit riesengroßem Vergnügen auf Märkten und sonst überall, wo Preise verhandelbar sind.
Und wer bei uns anruft und sich wundert, daß Ida´s Stimme so verändert klingt, wenn sie sich meldet, der weiß jetzt: das ist nicht Ida, das ist Anna, die da gerade ans Telefon gegangen ist. Ida kommt erst, wenn sie weiß, wer dran ist, nach vorn.



Hannah, die Handwerkerin

Hannah habe ich ja oben schon erwähnt. Sie ist es, die für alles, was mit bauen, schrauben, sägen, basteln und sowas zuständig ist. Ob sie nun für uns ein Bett baut, für die Küche ein Regal maßgenau einpaßt, den Computer aufschraubt, oder hier die Webseite programmiert - ohne sie sind wir da alle aufgeschmissen.



Mama

Im Gegensatz zu vielen anderen Systemen, wo die einzelne Innenpersonen Namen haben, ist das bei uns nicht bei allen so.
Mama ist genau das, was ihr Name sagt. Sie ist die Mutter unserer Außenkinder, hat sie zur Welt gebracht, gestillt, sie so gut sie konnte erzogen. Und es gibt etliche Leute hier bei uns die sagen, daß sie das für unsere Lebensumstände ziemlich gut gemacht hat.
Immer, wenn irgendwie irgendwelche (Außen)Kinder in unserem Leben auftauchen (und wenn es die Nachbarskinder sind), übernimmt Mama hier das Sagen.



Lausebengel

Lausebengel ist eines der Alibi-Kinder (deren Aufgabe es war, nach außen ein scheinbar normales Kinderleben zu führen). Er wußte lange Zeit nichts von dem, was uns angetan wurde. Erst, seitdem wir untereinander Kontakte knüpfen können, hat er einen Einblick in das, was in uns los ist. Und seitdem ist er ein ganz wichtiger Verbündeter für uns Außenleute, wenn es darum geht, Lösungen für innere Probleme zu finden. Warum Lausebengel ein Junge ist? Wir können nur vermuten, daß der Wunsch unseres Erzeugers, einen Sohn zu haben (der in unseren ersten 6 Lebensjahren ständig, vor allem unausgesprochen da war) dazu führte, daß bei uns ein Anteil entstand, der ihm diesen Wunsch erfüllen sollte. Wir waren ja nur ein Mädchen, das man "am besten ins Heim gibt, bis man mit dem etwas anfangen kann"..
Wie der Name schon sagt, ist Lausebengel ein ganz schönes Früchtchen. Immer zu Streichen aufgelegt, kläfft er den Köter unten im Haus an (weshalb der Nachbar dann Ida anblafft), klettert auf Bäume oder leckte auch schon mal bei minus 15 Grad an einem Verkehrsschild. Und wir anderen mußten dann sehen, wie wir wieder loskamen, weil natürlich die Zunge sofort festgefroren war...



Annette 14

Sie ist die Älteste der Mädchen, die Annette heißen. Sie fühlt sich am wohlsten, wenn sie in der Disco tanzen geht oder mit anderen 14-Jährigen zusammen ist. Ein ganz normaler Teenager eben.



Heidi

Heidi ist die (innere) Mama für die Kummerkinder (die wir so nennen, weil sie Kummer haben). Damit hat sie verdammt viel zu tun, denn diese Mädchen erleben ständig aufs Neue all das wieder, was ihnen damals angetan wurde.
Unterstützt wird sie dabei vom



Bodyguard

Er ist einer der Beschützer, mit der Spezialaufgabe, im Inneren aufzupassen und den Kleinen das Gefühl von Sicherheit zu geben.


Natürlich gibt es noch viel mehr Leute hier bei uns. Obwohl "natürlich"? Ist das natürlich? Eher nicht. Der kleinste uns bekannte Anteil ist das

Feenkind

ein Neugeborenes, das noch nicht einmal sein Köpfchen allein halten kann. (Eingeweihte wissen jetzt, daß es schon in diesem Alter für uns so unaushaltbar war, daß bereits da die Spaltung begann). Für dieses Baby haben wir aber einen Sicheren Ort gefunden, wo es so gut aufgehoben ist, daß es nicht mehr ins Außen kommt. Das bedeutet, daß sich unsere "Anfälle", die viele Jahre lang als "Petit mal" (eine bestimmte Art epileptischer Anfälle) diagnostiziert wurden, plötzlich in Luft aufgelöst haben. Es hat nämlich nichts mit Epilepsie zu tun - ein neugeborenes Baby kann nun mal nicht stehen, sondern fällt einfach um, auch wenn es in einem erwachsenen Körper steckt.


In jedem multiplen Sytem, auch bei uns, gibt es

die Dunklen

Anteile die sich mit den Tätern identifiziert und deren Werte übernommen haben. Eine davon ist die

Furie

Sie hat schon eine gewaltige Entwicklung hinter sich. War es ihre ursprüngliche Aufgabe, für uns alle Wut und Ärger abzureagieren (was wir anderen nicht konnten) indem sie in wilden Wutanfällen auf alles losging, was gerade da war, übernimmt sie heute mehr und mehr Beschützeraufgaben nach außen und stellt uns ihre Kraft zur Verfügung, wenn "uns durchsetzen" gefragt ist.
Generell denken wir, daß die Dunklen ganz wesentlich sind, denn sie haben einen ganz wichtigen Teil zum Überleben des Systems beigetragen. Sie davon zu überzeugen, daß es sinnvoll ist, ihre Kraft für die Interessen des Systems einzusetzen anstatt für die der Täter, bringt ganz wichtige Veränderungen: die inneren Stimmen, die bis dahin all das, was dem System wichtig ist, schlecht gemacht haben und vielleicht sogar versuchten, das zu boykottieren, werden dann zu Verbündeten. Das System muß keine Kraft mehr aufwenden, um diese Anteile daran zu hindern, ihre eigenen Ziele (also eigentlich die der Täter) zu verfolgen, was unendliche Erleichterung bringt. Sondern es gelingen mehr und mehr Dinge, die für andere Menschen alltäglich sind - z.b. Straßenbahnfahren, mit Fremden in geschlossenen Räumen sein...
Aber mit diesem Thema sind wir noch sehr zugange...



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