Ich habe lange überlegt, was genau ich hier hinschreiben soll. Soll ich hier hinschreiben, daß ich Überlebende bin? Oder soll ich es und mich weiterhin verstecken?



Nein!!! Ich werde es nicht mehr verstecken, nicht mehr meine Scham, die eigentlich die Scham der Täter sein müßte, die Oberhand gewinnen lassen. Ja, ich bin über viele Jahre hinweg mißbraucht worden. Ja, es war so schlimm, daß ich davon bleibende Schäden davon getragen habe. Denn jede / jeder, dem das angetan wird, trägt Schäden davon, die ihn oder sie für den Rest des Lebens begleiten. Sexueller Mißbrauch ist das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. Er hat immer Folgen, nur die Art und Ausprägung unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, auch in Abhängigkeit davon, was diesem Menschen angetan wurde.






Es fing an, als ich noch ein Säugling war. Ich konnte noch nicht einmal sitzen, da wurde ich zum Spielzeug degradiert. Immer und immer wieder, jahrelang. Für meinen Vater war schon immer der wichtigste Maßstab, was "die Leute denken". Nur innerhalb der Familie zeigte er sein wahres Gesicht. Benutzte mich, ließ mich von anderen benutzen. Und behauptete, mich zu lieben. Meine Mutter sorgte dafür, daß niemand, bei dem ich hätte darüber reden können, mir glaubte und trug aktiv ihren Anteil dazu bei, daß meine Seele immer weiter zersplitterte, damit ich noch beherrschbarer und willenloser wurde.

Ich wurde das, was man eine "Multiple Persönlichkeit" nennt. Nur durch Aufspaltung des Erlebten auf viele Personen konnte das Kleinkind von damals diesen Horror überleben. Physisch. Und die psychischen Folgen davon, mit denen muß ich mich bis heute auseinandersetzen.

Ich lernte, perfekt zu lügen, eine perfekte Fassade aufzubauen. Keiner, der mir begegnete, kam auf die Idee, es könne irgendwas nicht so sein, wie es solle. Keiner? Wirklich keiner?

Die Aufspaltung in unserem System war so stark, daß keine der Alltagspersonen von uns auch nur andeutungsweise Ahnung von dem Grauen hatte, so daß auch niemand von uns unseren kleinen Sohn vor den Tätern schützen konnte. Ihm wurde das Gleiche angetan, wie uns. Jetzt ist er erwachsen - und er muß sich mit denselben Problemen, wie wir sie haben, auseinander setzen. Ob er auch Viele ist, oder "nur" aus verschiedenen Seinszuständen besteht (Ego-State, DSNNS) ist dabei kein wesentlicher Unterschied mehr.
Auch er wird massiv unter Druck gesetzt. Und kann noch nicht wirklich hinter die Maske seiner angeblich so sehr um sein Wohl besorgten Großmutter schauen. Aber ich bin sicher, daß er seinen Weg finden und sich mit seinen eigenen Erinnerungen auseinander setzen wird, die meinen in entsetzlich vielen Dingen gleichen....

Und die Tatsache, daß ich von gewissen Leuten zwischenzeitlich massiv unter Druck gesetzt wurde, diese Seite vom Netz zu nehmen, beweist nur eines: getroffene Hunde bellen.



Dissoziation-
wie ich sie erlebe
Die Geschichte
von der Teekanne


Was bedeutet es,
multipel zu sein?
DIS
eine Definition
Erklärung des
Begriffswirrwarrs




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